· Daniel Schleipfer · Business & IT Collaboration · 4 min read
Nicht nach Buttons fragen: Moderne Zusammenarbeit mit der IT
Moderne Zusammenarbeit mit der IT gelingt, wenn das Problem im Mittelpunkt steht und nicht die fertige Lösung. Praktische Ansätze, um IT-Teams zu stärken und klügere, geschäftsorientierte Ergebnisse zu erzielen.

David Heinemeier Hansson (DHH) sagte in seinem Podcast REWORK: „As software developers and designers, you have to work on people’s behalf. You cannot work on their request.“
Dieses Prinzip steht im Zentrum erfolgreicher Zusammenarbeit mit der IT. Wo IT-Teams als strategische Partner gelten und nicht als reine Ausführende, werden Projekte nicht nur erfolgreicher, sie führen auch zu klügeren und wirkungsvolleren Lösungen. Ein genauer Blick darauf, wie diese Haltung zu besseren Ergebnissen führt.
Das X-Y-Problem
Eine der häufigsten Fallen in der Zusammenarbeit mit der IT ist das X-Y-Problem. Es entsteht, wenn die Beteiligten an ihrer vorgeschlagenen Lösung (Y) festhalten, statt das eigentliche Problem (X) zu schildern, um das es ihnen geht. Ein unauffälliger Fehler, der trotzdem enorm viel Zeit und Energie kosten kann.
Der typische Ablauf:
- Jemand möchte X erreichen.
- Y gilt als der Weg dorthin, doch wie Y umzusetzen ist, bleibt unklar.
- Das IT-Team wird um Hilfe bei Y gebeten.
- Das IT-Team arbeitet an Y und stellt erst dann fest, dass der direkte Weg über X zu einer wirksameren Lösung geführt hätte.
Ein Beispiel: Jemand wünscht sich einen „Drucken-Button“ in einem Reporting-Tool. Das IT-Team baut ihn wie gewünscht ein und merkt erst später, dass es eigentlich um einen einfacheren Weg zum Speichern und Teilen von Reports ging, nicht ums Drucken.
Das Szenario zeigt, warum es entscheidend ist, das eigentliche Problem in den Blick zu nehmen und nicht die angefragte Lösung. Wer als IT-Team „Wozu wird das gebraucht?“ fragt und tiefer nachhakt, deckt die wahren Herausforderungen auf und kann klügere, wirksamere Lösungen vorschlagen. Eine ausführlichere Erklärung gibt es unter The X-Y Problem.
Das Kernproblem benennen, nicht die Lösung
Vor einer Herausforderung ist die Versuchung groß, direkt zur Lösung zu springen. Doch wer zu früh konkrete Lösungen vorgibt, erstickt Innovation und schränkt die Ergebnisse ein. Sinnvoller ist es, das zu lösende Problem klar zu benennen und die Gestaltung der Lösung dem IT-Team zu überlassen.
Statt „Wir brauchen ein Dashboard mit diesen bestimmten Diagrammen“ lässt sich die Herausforderung etwa so formulieren: „Wir brauchen einen Weg, um Trends im Kundenverhalten zu verstehen und damit unsere Marketingstrategien zu verbessern.“ Das gibt dem IT-Team den Raum, Fachwissen und Kreativität einzubringen, und führt oft zu Lösungen, an die vorher niemand gedacht hat.
Der IT den fachlichen Kontext geben
Ein IT-Team ist nicht einfach eine Gruppe von Programmierern, sondern eine Gruppe von Problemlösern. Für gute Arbeit braucht es das Gesamtbild: die Prozesse, die Schwachstellen und die Ziele, die das Geschäft antreiben.
Bei der Optimierung einer Lieferkette etwa hilft es dem IT-Team, Einblicke in Lagerumschlag, Lieferantenbeziehungen und Nachfragezyklen zu erhalten. So lassen sich Lösungen entwickeln, die genau zu den Anforderungen passen. Dieser Kontext macht aus der IT statt reiner Aufgabenempfänger strategische Partner, die echte Ergebnisse liefern.
Auf Expertise und Urteilsvermögen vertrauen
Hinter dieser Haltung steht das Vertrauen, dass IT-Teams Entscheidungen im Sinne der übergeordneten Unternehmensziele treffen. Micromanagement untergräbt dieses Vertrauen und erstickt Kreativität. Mehr Wirkung entsteht, wenn das IT-Team den Spielraum bekommt, Abwägungen zu treffen, Architekturen zu empfehlen und geschäftliche wie technische Anforderungen auszubalancieren. Dieses Vertrauen fördert Innovation und sorgt dafür, dass IT-Lösungen skalierbar, wartbar und eng an den Zielen ausgerichtet sind.
Eigenverantwortung und Antrieb fördern
Menschen arbeiten engagierter und klüger, wenn sie sich für das Ergebnis verantwortlich fühlen. Wird die IT früh einbezogen und als Mitgestalter behandelt, entsteht ein Gefühl gemeinsamer Verantwortung. Aus dem eigenen Problem wird plötzlich ein gemeinsames, und das Lösen wird zur Mission.
Dieses Gefühl der Eigenverantwortung befeuert Kreativität, Engagement und Innovation. IT-Teams, die eingebunden und mit Herzblut dabei sind, liefern Lösungen, die Erwartungen übertreffen.
Praktische Tipps für die Einbindung
- Workshops, um sich auf Ziele und Herausforderungen abzustimmen.
- IT-Vertreter in wichtige Entscheidungsmeetings einbeziehen.
- Erfolge gemeinsam feiern, um Vertrauen und Zusammenhalt aufzubauen.
Die Formel für den Erfolg
Reibungslose Zusammenarbeit folgt dieser Formel:
- Klarheit: Die Herausforderung und ihre Auswirkungen klar benennen.
- Kontext: Relevantes fachliches Wissen mit dem IT-Team teilen.
- Vertrauen: Den IT-Fachleuten ihre Entscheidungen zutrauen.
- Engagement: Das IT-Team als Mitgestalter einbinden.
- Ausrichtung: Sicherstellen, dass jede Lösung das Kernproblem adressiert.
Fazit
Die besten Ergebnisse entstehen aus echten Partnerschaften zwischen Geschäft und IT. Wo IT-Teams Vertrauen, Handlungsspielraum und Kontext erhalten, liefern sie Lösungen, die über die Erwartungen hinausgehen. Wer sich auf Probleme konzentriert statt nur auf Anfragen und die Zusammenarbeit fördert, schöpft das volle Potenzial von IT-Abteilung und Unternehmen aus.
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